Restaurierung eines Danziger Barockschranks
Objekt: |
eintüriger Danziger Barockschrank mit Wappenkartusche, sogenannter „Schapp“ |
Datierung: |
aus spätbarocken Schnitzteilen und Profilelementen sowie neueren Teilen (Tischlerplatten mit Eichendeckfurnier) wohl in der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts zusammengefügt |
Eigentümer: |
Privatbesitz, Waltrop |
Materialien: |
Nadelholz, Eichenholz, Tischlerplatte, Eichenfurnier, Laubholz (wohl Linde -> Füße), Eisen- und Messingschrauben, verschiedene Nägel, Eisenschloss mit Schlüssel, verschieden farbige Wachskittmassen, Silikonkittmasse, Reste eines dunkelbraunen Überzugs, gelblicher harzhaltiger Überzug im Innenraum, gewachste Oberflächen auf den Sichtseiten |
Vorzustand: |
Das Möbel weist eine vergilbte Wachsoberfläche auf und erscheint dadurch hellbraun mit einem weißlichen Schleier. In den Vertiefungen des Eichenfurniers und den Schnitzereien sind teils größere Stücke eines farblosen, zäh-klebrigen Wachses zu sehen, die als dickere Schicht weiß erscheinen. Zusätzlich hat sich Staub in der klebrigen Masse abgesetzt, was den weißlichen Eindruck verstärkt. Um den Schlüssel herum und links davon an der Griffkante der Türe sind Verschmutzungen festzustellen. Die helle Farbe des Schrankes vor allem auf der linken Seite und im mittleren Bereich der Front ist zudem auf ein partielles Ausbleichen der Holzoberflächen durch Sonneneinstrahlung zurückzuführen und nicht rückgängig zu machen. Weiße Farbspritzer an den Seitenteilen und den Füßen, einige Wasserflecken im Sockelbereich sowie dunkle Laufspuren und ein größerer Wasserfleck sind im Inneren des Schrankes zu sehen. Die Laufspuren und Wasserflecken im Inneren könnten von einer Ablaugung der ehemals dunkelbraunen Oberfläche stammen, die in Resten noch an den Schnitzteilen und den Ritzen des Schrankes zu finden ist. Durch die Feuchtigkeitseinwirkung beim Ablaugevorgang sind die Oberflächen der Schnitzteile teils angequollen und die Kanten leicht aufgefasert. Viele der Schwundfugen an den Eichenfurnieren, den Schnitzereien und zwischen den Profilleistenstücken, die ebenfalls auf das Ablaugen zurückzuführen sein könnten, sind mit Weichwachskitt gefüllt. Es gibt einige Lockerungen an den Schnitzereien, die durch Risse im Holz hervorgerufen werden. Am Sockel des Möbels und den Füßen findet sich weißliches, relativ flach gewachsenes Schimmelpilzmyzel. Die Wappenkartusche ist nur am oberen Rand mit zwei Schrauben am Dach befestigt und etwas gelockert, so dass sie im unteren Bereich keinen Kontakt zum Möbel hat. Die Laufflächen am Schubkasten sind abgelaufen, so dass die Schnitzereien beim Einschieben des Schubes an der unteren Zarge anstoßen. Außerdem ist die rechte Schubkastenseite im hinteren Bereich eingerissen. Der Boden des Schubkastens ist zudem etwas geschwunden, so dass er an der Vorderkante nicht mehr in die Nut des Frontbretts greift und sich ein Spalt gebildet hat. Bei zu schwerer Beladung des Bodens kann dieser deshalb nach unten gedrückt und das Benutzen erschwert werden. Die gedrechselten Füße aus Lindenholz sind am oberen Ende paarweise an Nadelholzbretter genagelt und weisen zahlreiche Schwundrisse auf, die teilweise mit Holzspänen oder mit reichlich Weichwachskitt gefüllt wurden. Daneben haben sich aber erneut Rissfugen geöffnet. Die Wachsoberfläche ist auch hier vergilbt und verschmutzt. Eines der Nadelholzbretter weist an einem Ende eine 12 cm lange und ca. 3 cm breite Fehlstelle auf, das andere Brett ist an einem Ende mehrfach eingerissen. Es fehlen vier kleine Profilleistenstücke und an den Seiten sind insgesamt 6 kleinere Furnierfehlstellen zu verzeichnen. Die Türe schleift etwas, weil die vorhandene Unterlegscheibe aus Kunststoff verschlissen ist. Alle Eisenteile weisen leichte Korrosion auf. Das Schloss ist funktionstüchtig und ein Schlüssel vorhanden. Es fehlen allerdings die beiden Schrauben zur Befestigung des Schlosses an der Seitenkante der Türe. Die Schrauben an den Türscharnieren sind gelockert. |
Maßnahmen: |
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Konservatorische Empfehlungen: |
Bei der weiteren Nutzung des Möbels sollte auf eine relative Luftfeuchtigkeit von ca. 50 – 55 % und eine moderate Temperatur um 20 - 22°C am Aufstellungsort geachtet werden. Besonders wichtig ist bei beiden Faktoren, dass keine starken Schwankungen in kurzen Zeiträumen auftreten. Das Objekt sollte daher nicht an Standorten aufgestellt werden, die z.B. Mittagssonnenlicht oder größerer Feuchtigkeit ausgesetzt sind. Ansonsten kann es zukünftig zu weiteren Klimaschäden am Holz, Alterungserscheinungen des Überzugs oder erneuter Schimmelbildung kommen. Zur Entfernung von oberflächlichem Staub sollte anstelle eines Swiffers, dessen Fasern sich in den teils angerauten Kantenbereichen und Furnieroberflächen verfangen und so Stücke abreißen können, besser eine Pinselbürste mit weichen Kunststoffborsten oder Pferdehaar als Staubsaugeraufsatz benutzt werden. So wird anhaftender Staub nicht im Raum verwirbelt, sondern direkt abgesaugt. Die Wachsoberfläche ist feuchtigkeitsempfindlich. Sollten Wasserspritzer auf das Möbel kommen, müssten diese möglichst bald mit einem trockenen und fusselfreien Tuch abgenommen werden, um die Bildung von Wasserflecken zu verhindern. |
Die Vorderseite des Danziger Schapps im Vorzustand. |
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Die Holzoberflächen sind sehr hell und partiell aufgeraut, der Wachsüberzug ist vergilbt. Es fehlt das kleine Stück der Profilleiste links unter dem Putto. Das große Profilleistenstück ist gelockert. |
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Der Sockel mit dem Schubkasten auf den gedrechselten Füßen vor Beginn der Restaurierung. Die Füße weisen alle Schwundrisse auf, die bereits mit Holzkeilen und Wachskitt geschlossen wurden, sich aber bedingt durch fortschreitendes Austrocknen des Holzes teilweise weiter geöffnet haben. |
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Die Füße nach dem Ausspänen der Schwundrisse. |
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Festigungsarbeiten an den Seitenteilen des Schapps. |
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Die beiden Seitenteile während der Wärmebehandlung der Oberflächen. Die Seite links ist noch unbehandelt, die rechte ist bereits bearbeitet worden. |
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Das linke Kapitell mit dem Puttenkopf nach der Restaurierung. |
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Die Vorderseite des Sockels nach der Festigung und Regenerierung des Wachsüberzugs. |
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Die Vorderseite des Schapps nach der Überarbeitung. |